Es gibt Dinge in denen man keinen Sinn zu finden braucht um sie zu genießen! Eines dieser Dinge ist das Leben.

 

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 Es war später Herbst, die Martinszeit war da. Sylvia freute sich schon seit Tagen auf diese Zeit, in der es immer reichlich Süßigkeiten mit Gesang zu ergattern gab. Sie hatte mit ihrer Freundin in der Schule eine Laterne gebastelt und dachte, sie in ihrer strahlenden Herrlichkeit dem Heiligen Martin zu präsentieren. Es war eine Pracht von einer Laterne: viel bunte Folie, grüne und blaue und rote, formten mit dem Geschick der kleinen Kinderfinger und viel Klebstoff eine kleine Schildkröte, die mit einer kleinen Grühbirne an einem kurzen Stecken baumelnd zum leben erweckt werden sollte. Auch ihre Mutter hatte sie für ihre tolle Arbeit gelobt und versprochen, dass sie gegen ein kleines Lied auch an der eigenen Türe eine Hand voll Bonbons bekommen würde. So freute sich Sylvia jeden Abend im Bett auf diesen Abend.

Sylvia steht auf, sieht aus dem Fenster. Die Bäume haben die letzten Blätter abgeworfen und strecken ihre kahlen Zweige dürr in den morgendlichen Himmel. Sie streckt sich, gähnt herzhaft und bereitet sich dann für die Schule vor. Heute ist der große Tag, Sankt Martin soll heute kommen. Sylvia nimmt ihre Laterne und den Stecken und verlässt das Haus. In Gedanken ist sie bei den vielen Süßigkeiten, welche sie sich heute mit ihrer Freundin ersingen möchte. Da spricht sie plötzlich jemand von der Seite an. Verwirrt schaut sie auf. Ein unrasiertes Gesicht lächelt sie freundlich an. Ihr fällt sofort die große Nase auf. "Na du, was machst du denn hier ganz alleine? Wo ist denn deine Mama?" fragt das Gesicht. "Ich gehe zur Schule" antwortet Sylvia sofort. "Ganz allein? Ist das denn nicht gefährlich?" Sylvia überlegt. Sie geht in die erste Klasse und schon seid zwei Wochen allein. "Nein." sagt sie. Das Gesicht schaut verwundert und sagt "Aber ich begleite dich lieber, du magst doch bestimmt ein bisschen erzählen, schließlich ist heute doch Sankt Martin! Ich trage dir auch diese herrliche Laterne!" Da ist Sylvia in ihrem Element: Sie erzählt von den Süßigkeiten und dem tollen Feuer, welches heute abend entzündet werden soll. Sie biegen ab.

Vierzehn Stunden später. Es ist spät nachmittags, dunkel. Die gierigen Bäume angeln im Himmel nach den Träumen der Kinder. Eine Mutter weint. In ihrer Hand eine kleine Schildkrötenlaterne. Die kleine Glühbirne ist aus.

22.11.10 15:33

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


leichteleiche (23.11.10 01:50)
herzzerreisend
wirklich ein schöner text mit dramatichem ende
wirklich dein schreibstil gefällt mir

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